Zwischen Weiterbildung und Unternehmensführung: Warum Thomas Nobs nochmals die Schulbank drückt

Bild: Thomas Nobs ist Geschäftsleiter der Schreinerei Nobs GmbH und beschäftigt sich aktuell stark mit dem Thema Fenster.

Thomas Nobs ist kein Unbekannter auf dem Bürgenstock. Bereits 2007 schloss er an der HF Bürgenstock den Schreinermeister-Lehrgang ab. Heute führt er gemeinsam mit seinen Geschäftspartnern die Schreinerei Nobs GmbH in Seedorf BE. Nun kehrt er erneut an die HF Bürgenstock zurück, diesmal als Teilnehmer im neu lancierten Lehrgang «Projektleiter:in Fenster». Im Interview spricht er über seinen beruflichen Weg, seine Rückkehr auf den Bürgenstock und weshalb Weiterbildung für ihn auch nach vielen Jahren Berufserfahrung zentral bleibt.

Fabian Zemp

Autor/in:
Fabian Zemp

Thomas, du warst bereits vor vielen Jahren an der HF Bürgenstock. Welche Erinnerungen sind dir geblieben?

Eigentlich nur positive. Ich finde es bis heute unglaublich spannend, dass der Verband an einem so besonderen und abgeschiedenen Ort ein Ausbildungszentrum aufgebaut hat. Ich habe kürzlich mit jüngeren Fachkräften darüber diskutiert. Viele sagen zuerst: «Das ist doch viel zu weit weg.» Für mich war aber genau das immer das Schöne daran. Du bist dort oben wirklich weg vom Alltag. Dadurch bleibt man auch am Abend zusammen, tauscht sich aus und lernt gemeinsam weiter. Wir verbrachten damals sehr viel Zeit miteinander. Wir sassen nach dem Unterricht zusammen im Schulzimmer, lösten Aufgaben oder machten sogar kleine Excel-Challenges. Davon habe ich enorm profitiert. Wäre die Schule mitten in Zürich oder Luzern, würden viele nach dem Unterricht entweder direkt wieder nach Hause gehen oder später in den Ausgang. Auf dem Bürgenstock entsteht hingegen ein ganz anderer Zusammenhalt. Daran erinnere ich mich bis heute sehr gerne.

Vor knapp zehn Jahren wurdest du Mitinhaber der Schreinerei Nobs GmbH. War dieser Weg für dich schon früh klar?

Nein, überhaupt nicht. Dazu muss man vielleicht wissen: Obwohl ich ebenfalls Nobs heisse, ist die Firma kein Familienunternehmen. Ich gehöre nicht zur Gründerfamilie. Dass ich dort gelandet bin und auch noch gleich heisse, ist eigentlich Zufall. Ich komme ursprünglich aus einer Bauernfamilie. Als Jugendlicher war für mich lange offen, ob ich später Bauer werden oder einen anderen Weg einschlagen würde. Deshalb schnupperte ich in verschiedenen Berufen und entschied mich schliesslich für die Schreinerlehre bei der Firma Nobs, allerdings ursprünglich mit dem Gedanken, danach vielleicht trotzdem noch Bauer zu werden. Nach der Lehre merkte ich aber schnell, dass der Schreinerberuf genau das Richtige für mich ist.

Wann entstand dann die Perspektive Richtung Geschäftsführung?

Das kam eigentlich erst später. Mit etwa 22 Jahren wollte ich mich beruflich verändern und bat meinen damaligen Chef um ein Arbeitszeugnis. Ich wollte mich bei Sauber Petronas als Modellbauer und Schreiner bewerben. Mein Chef fiel damals aus allen Wolken. Er fragte mich, ob ich mir nicht vorstellen könnte, stattdessen eine Weiterbildung zu absolvieren und später bei der Firma einzusteigen. Das war das erste Mal, dass dieses Thema überhaupt konkret angesprochen wurde. Ich sagte damals, ich lasse das Schicksal entscheiden. Wenn ich die Stelle bei Sauber bekomme, gehe ich dorthin. Wenn nicht, bleibe ich. Von Sauber erhielt ich nie eine Antwort. Das empfand ich damals tatsächlich als Wink des Schicksals. So entstanden die ersten konkreteren Gespräche über eine mögliche Zukunft bei der Firma Nobs. Und genau dadurch kam ich schliesslich auch an die HF Bürgenstock.

Das heisst, du hattest zum Lehrgangsstart bereits eine Führungsfunktion im Hinterkopf?

Ja, das schon. Ob ich tatsächlich später einmal Mitinhaber werde, wusste ich damals noch nicht. Aber dass ich eine Geschäftsführungsaufgabe übernehmen würde, war klar. Mein damaliger Chef hatte mir diese Perspektive konkret aufgezeigt. Deshalb absolvierte ich den Schreinermeister-Lehrgang auch nicht einfach «auf Vorrat». Ich wusste, dass ich diese Weiterbildung später brauchen würde. Tatsächlich leitete ich die Abteilung «Schreinerei» bereits ab 2005, also noch bevor ich den Lehrgang 2007 abschloss.

Wie hat sich dein Arbeitsalltag seit der Übernahme der Führungsfunktion verändert?

Die Tage sind definitiv länger geworden. Gleichzeitig ist der Alltag aber auch wesentlich abwechslungsreicher und spannender geworden. Manchmal denke ich an schlechten Tagen schon: Eigentlich wäre es auch schön, einfach morgens um sieben als Schreiner zu beginnen, um fünf Feierabend zu machen und danach wirklich abschalten zu können. Das fehlt in einer Führungsfunktion manchmal schon. Gleichzeitig würde ich diesen Weg jederzeit wieder genau so gehen. Die Vielfalt gefällt mir enorm. Ich schätze den Kundenkontakt, das Beraten vor Ort, das Offerieren und die Begleitung der Produktion. Die Bandbreite ist unglaublich gross. Ein Unterschied bleibt aber: Als Schreiner siehst du am Abend konkret, was du geschaffen hast. Als Geschäftsführer ist das oft anders. Dort ist vielleicht einfach der Stapel an Aufgaben etwas kleiner geworden oder manchmal sogar grösser. (lacht)

Aktuell absolvierst du erneut eine Weiterbildung an der HF Bürgenstock, den Lehrgang Projektleiter:in Fenster. Was hat dich dazu motiviert?

Der Hintergrund ist eine personelle Veränderung in unserem Unternehmen. Mein Geschäftsleitungskollege Peter Nobs, der während rund 30 Jahren den Bereich Fenster verantwortete, wird sich altershalber zurückziehen. Deshalb mussten wir uns im Betrieb überlegen, wie wir den Fensterbereich künftig weiterführen wollen. Wir analysierten die Situation sehr bewusst und besuchten dazu sogar gemeinsam das Seminar «Businessplan erstellen» an der HF Bürgenstock. Dabei wurde uns klar, dass wir den Fensterbereich unbedingt weiterentwickeln möchten. Gleichzeitig stellte sich die Frage, wer diesen Bereich künftig übernimmt. Wir entschieden uns intern für eine Neuaufteilung der Verantwortlichkeiten: Mein jüngerer Geschäftsleitungskollege übernimmt künftig den Bereich Schreinerei und Innenausbau von mir, während ich den Fensterbereich übernehmen werde. Mir war aber gleichzeitig bewusst, dass mir trotz jahrzehntelanger Tätigkeit in einer Fensterfirma das vertiefte fensterspezifische Fachwissen teilweise fehlt, weil dieser Bereich bisher vom Teamkollegen betreut wurde. Wenn ich künftig Kunden kompetent beraten will, dann möchte ich mir dieses Wissen ebenfalls sauber erarbeiten.

Wie bist du konkret auf den Lehrgang Projektleiter:in Fenster aufmerksam geworden?

Ich begann einfach zu recherchieren und schaute, welche Weiterbildungen es im Fensterbereich überhaupt gibt. Dabei stiess ich auf die Website des FFF, wo das AVOR-Modul ausgeschrieben war. Das sprach mich sofort an. Kurz nach der Anmeldung erhielt ich dann einen Anruf von Andreas Niederberger von der HF Bürgenstock. Er erklärte mir, dass dieses Modul gleichzeitig die Grundlage für den gesamten Lehrgang Projektleiter:in Fenster bildet. Zuerst fragte ich mich ehrlich gesagt schon, ob das für mich überhaupt sinnvoll ist. Immerhin habe ich bereits den Schreinermeister absolviert und arbeite seit 30 Jahren in einer Fensterfirma. Andreas Niederberger meinte aber, dass zwar gewisse Inhalte Wiederholungen seien, gleichzeitig aber auch viele neue Themen dazukämen.

Wenn schon, dann mache ich es richtig.

Dann dachte ich mir: Wenn schon, dann mache ich es richtig. Und so entschied ich mich für den gesamten Lehrgang.

Du gehörst zur ersten Klasse, die den Lehrgang «Projektleiter:in Fenster» absolviert. Wie beurteilst du diese neue Weiterbildung, die der FFF in Kooperation mit dem VSSM lancierte?

Ich war ehrlich gesagt überrascht, dass es dieses Angebot nicht schon viel früher gegeben hat. Für mich war das eigentlich längst überfällig. Fensterbauer sind schliesslich auch Schreiner. Umso wichtiger finde ich diese Zusammenarbeit heute. Der VSSM verfügt mit der HF Bürgenstock über ein tolles Ausbildungszentrum an einem schönen Ort. Solche Synergien muss man nutzen.

Wie hast du die ersten Unterrichtstage erlebt?

Positiv. Ich schätze, dass die Dozierenden aus der Praxis kommen und keine klassischen Vollzeitlehrer sind. Dadurch spricht man dieselbe Sprache und erhält direkte Einblicke in reale Abläufe und Unternehmen. Besonders beeindruckt hat mich beispielsweise Yves Maeder von der Muster Fenster AG. Dort konnte ich extrem viel mitnehmen. Dann sieht man auch, wie andere Firmen gewisse Dinge lösen oder organisieren. Natürlich gibt es Unterschiede darin, wie gut einzelne Personen Inhalte vermitteln können. Insgesamt bin ich aber sehr froh, dass die Dozierenden Praktiker sind.

Wie erlebst du den Austausch innerhalb der Klasse?

Die Klasse finde ich wirklich genial. Zu Beginn kannte ich niemanden. Das änderte sich aber extrem schnell, weil wir von Anfang an Gruppenarbeiten machten und ständig in den Austausch kamen. Die Zusammensetzung der Klasse ist unglaublich spannend. Wir haben sehr junge Teilnehmende direkt nach der Lehre, Monteure, Projektleiter und auch andere Geschäftsinhaber dabei. Diese unterschiedlichen Perspektiven machen den Austausch extrem wertvoll. Ich freue mich jedes Mal wieder auf die nächste Kurssequenz.

Gab es bereits konkrete Dinge aus dem Unterricht, die du direkt im Alltag anwenden konntest?

Ja, absolut. Kürzlich erhielt ich beispielsweise eine Anfrage eines Architekten zu einem komplizierten Schwellendetail. Dank dem Unterricht konnte ich sofort eine einfachere und bessere Lösung vorschlagen und auch fachlich sauber begründen. 

Vor zwei Monaten hätte ich das wahrscheinlich noch nicht so argumentieren können.

Zusätzlich habe ich viele Ideen mitgenommen, wie wir gewisse Prozesse im Betrieb optimieren könnten, beispielsweise bei digitalen Abläufen oder bei standardisierten Baustellenunterlagen.

Was steht bei euch im Unternehmen als Nächstes an?

In den kommenden Jahren stehen bei uns aufgrund Pensionierungen mehrere personelle Veränderungen an. Gleichzeitig möchten wir den Fensterbereich weiterentwickeln und auch den Umsatz steigern. Dazu gehört einerseits die fachliche Weiterentwicklung, andererseits aber auch die technische. Unsere CNC-Maschine stammt beispielsweise aus dem Jahr 2005. Auch im Maschinenpark werden wir uns deshalb Gedanken über zukünftige Investitionen machen müssen.

Zum Schluss: Welchen Rat möchtest du Fachkräften mit auf den Weg geben?

Ganz klar: weiterbilden. Entweder soll man sich selbst weiterbilden oder, wenn man in einer Führungsfunktion ist, die Mitarbeitenden gezielt fördern. Gut ausgebildete Fachkräfte sind enorm wichtig. Die Kunden merken sofort, ob geschulte Leute auf der Baustelle stehen oder nicht. Ich glaube, wir haben die Weiterbildung von Mitarbeitenden teilweise zu lange unterschätzt. Genau deshalb investieren wir heute bewusst stärker in Schulungen und Weiterbildungen.

Weiterbildung bringt enorm viel, wenn man offen bleibt und bereit ist, von anderen zu lernen. Genau das erlebe ich aktuell an der HF Bürgenstock. Der Austausch mit anderen Fachkräften ist extrem spannend, weil Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen und Erfahrungen zusammenkommen. Zudem finde ich es wertvoll, dass die Dozierenden direkt aus der Praxis kommen und Dinge zeigen, die man bereits am nächsten Tag im eigenen Betrieb anwenden kann.
 
 

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