Vom Schreiner zur Führungskraft

Marcel Grob, Technischer Leiter bei der acsono ag, Rothrist AG

Marcel Grob fand nach seiner Ausbildung zum Möbelschreiner den Weg in die Raumakustik. Heute ist er Technischer Leiter bei der acsono ag. Im Interview spricht er über seinen Werdegang, die Herausforderungen einer Firma im Wandel sowie den Wert von Weiterbildungen für die Holzbranche.

Fabian Zemp

Autor/in:
Fabian Zemp

Du bist Technischer Leiter bei der acsono ag (früher: Akustik & Raum AG). Für viele Schreiner ist Raumakustik nicht gerade ein typisches Aufgabenfeld. Wie bist du zu diesem Arbeitsumfeld gekommen?

Nach der Ausbildung zum Möbelschreiner habe ich eine neue Herausforderung gesucht. Ich habe mich in der Region nach holzverarbeitenden Betrieben umgeschaut und bin auf die Firma Akustik & Raum AG gestossen. Das Thema hat mich sofort fasziniert – untypisch für unsere Branche, aber mit grossem Potenzial.

In welcher Position bist du bei der Firma eingestiegen?

Ich startete im Bereich Zuschnitt und arbeitete an der liegenden Plattenfräse. Mir wurde schnell klar, dass mir dieses begrenzte Aufgabenfeld nicht wirklich entspricht und auch im Betrieb erkannte man das. Daraufhin wurde ich als CNC-Maschinist eingesetzt, um Akustikplatten zu bearbeiten. Schliesslich wechselte ich in die Planung.

Was ist seither passiert?

Während meiner Anfangszeit in der Planung habe ich einen Infoabend an der HF Bürgenstock besucht und mich anschliessend für die Weiterbildung zum Sachbearbeiter Planung angemeldet. Ich habe danach mit der Weiterbildung gestartet, merkte jedoch rasch, dass die Raumakustik doch recht weit vom klassischen Schreinerhandwerk entfernt war. 
Also kündigte ich und wechselte in die Türenbranche. Zusätzlich entschied ich mich, die Weiterbildung zum dipl. Holztechniker HF zu absolvieren. Diese Zeit war für mich sehr wertvoll, weil ich wieder näher am traditionellen Handwerk und dem vermittelten Unterrichtsstoff war. Über Umwege fand ich schliesslich den Weg zurück zur Firma Akustik & Raum AG, die seit dem letzten Jahr acsono ag heisst.

Wie sieht dein Arbeitsalltag heute aus?

Momentan ist er herausfordernd. Seit unserem Standortwechsel und der Namensänderung hat sich einiges verändert. Wir haben die interne Struktur überarbeitet, neue Prozesse eingeführt sowie eine neue Produktionsstrasse aufgebaut. Ich leite das Projektleitungsteam, prüfe Aufträge auf Machbarkeit sowie Wirtschaftlichkeit und koordiniere Lieferanten. Dazu kommen IT-Themen, die zunehmend an Bedeutung gewinnen. Wir befinden uns mitten in einem Wandel mit zahlreichen neuen Mitarbeitenden – was einerseits spannend, andererseits aber auch herausfordernd ist.

Was hat euch zu diesem Standortwechsel und der Namensänderung bewegt?

Am alten Standort stiessen wir hinsichtlich des Platzes und der Effizienz an unsere Grenzen. Jetzt profitieren wir von kürzeren Wegen, moderner Infrastruktur und besseren Abläufen. Das stärkt unsere Wettbewerbsfähigkeit und unterstützt unser Ziel, europaweit zu wachsen.  Aus diesem Wachstumsgedanken heraus ist auch unser neuer Name «acsono» entstanden.

Was gefällt dir an der herausfordernden Zeit, die dieser Wandel mit sich bringt, besonders?

Wir befinden uns in einer Ausnahmesituation. Entscheidungen müssen schnell getroffen und Prozesse neu definiert werden. Das bringt einen gewissen Druck mit sich, aber auch die Möglichkeit, in kurzer Zeit viel zu bewegen. Genau das macht es spannend.

Kommen wir nochmals zurück zur Weiterbildung. Warum hast du dich damals für die Weiterbildung zum Holztechniker HF entschieden?

Ich hatte den Ehrgeiz, mit den erfahrenen Berufskollegen mithalten zu wollen. Dabei war es mir nicht so wichtig, welche Weiterbildung ich absolvierte. Der Schreinermeister-Lehrgang ist eher betriebswirtschaftlich ausgerichtet. Dies passte zu meinen damaligen Tätigkeiten nicht so gut. Entsprechend entschied ich mich für den Holztechniker HF.

Weiterbildung ist aus meiner Sicht der Schlüssel zum Erfolg.

Du hättest diese Ausbildung auch an einem anderen Ort machen können. Warum hast du dich für den Bürgenstock entschieden?

Andere Standorte wie Biel oder Lenzburg wären tatsächlich auch infrage gekommen. Aber am Bürgenstock hat mich die überschaubare Grösse der Schule sowie ihre klare Ausrichtung auf die Holzbranche überzeugt. Für den Wissenstransfer mit anderen ist dieser branchenspezifische Fokus von Vorteil. Für mich hatte es zudem seinen Reiz, für eine gewisse Zeit in die Berge zu kommen. Durch das Blocksystem war ich wochenweise auf dem Bürgenstock und habe auch dort übernachtet. So konnte ich mich voll auf die Schule konzentrieren – weg vom Alltag, weg von Familie und Beruf. Das war für mich ideal.

Mit welchen Erinnerungen blickst du auf diese Zeit zurück?

Mit positiven Erinnerungen. Die Ausbildungsblöcke waren kurz, intensiv und lehrreich. Klar gab es auch Themen, die mich weniger interessiert haben – doch dank des abwechslungsreichen Stundenplans blieb die Weiterbildungszeit kurzweilig. Oft haben wir uns abends noch über den Schulstoff ausgetauscht und so wurde manch ein Thema klar, dass man tagsüber vielleicht noch nicht verstanden hatte.

Wo hat dir die Weiterbildung am meisten gebracht?

Am meisten profitierte ich vom Austausch mit den Dozierenden und den Mitstudierenden. Der Lehrgang war sehr breit gefächert, für die inhaltliche Tiefe hat die Zeit in gewissen Themen gefehlt. Dennoch erhielt man wertvolle Denkanstösse, führte Diskussionen und lernte viel voneinander. Ausserdem habe ich gelernt, unter Druck Aufgaben termingerecht fertigzustellen – eine Fähigkeit, die ich auch heute in meinem Berufsalltag benötige.

Hast du noch Kontakt zu Kolleginnen und Kollegen aus dieser Zeit?

Leider habe ich nur noch wenig Kontakt. Viele, die nur den ersten Teil der Weiterbildung absolviert haben, sind aus der Branche ausgestiegen. Diejenigen, die ebenfalls den Holztechniker-Lehrgang abgeschlossen haben, treffe ich ab und zu – beispielsweise auf Fachmessen. Dann tauschen wir uns aus, was ich als sehr wertvoll empfinde. Grundsätzlich müsste ich diesen fachlichen Austausch mehr pflegen, denn oft wird versucht, das Rad neu zu erfinden, obwohl andere bereits passende Lösungen gefunden haben.

Würdest du die Ausbildung zum Holztechniker auf dem Bürgenstock weiterempfehlen?

Auf jeden Fall. Wenn das Herz für das Holzhandwerk schlägt, dann lohnt sich jede Weiterbildung. Ob Holztechniker HF, Schreinermeister oder etwas anderes – die Hauptsache ist, dass man etwas macht. Schliesslich braucht die Branche engagierte Fachleute.

Ich habe mich für den Bürgenstock entschieden, weil mich die überschaubare Grösse der Schule sowie die klare Ausrichtung auf die Holzbranche überzeugt haben. Man ist unter Gleichgesinnten, kann sich austauschen und voneinander lernen. Durch das Blocksystem war ich zudem wochenweise auf dem Bürgenstock. So konnte ich mich voll auf die Schule konzentrieren – weg vom Alltag und vom Beruf. Das war für mich ideal.

Was sind aktuell deine grössten Herausforderungen in der Führungsrolle?

Die grösste Herausforderung liegt für mich in der Ausbildung von Nachwuchs-Personal – insbesondere in der Projektleitung. Gleichzeitig fällt es mir aktuell schwer, die richtigen Prioritäten zu setzen. Aufgrund der erwähnten Veränderungen scheinen zurzeit viele Aufgaben wichtig und dringend zu sein.

Was sind deine nächsten beruflichen oder privaten Ziele?

Im Moment habe ich keine Weiterbildung geplant. Mein Fokus liegt auf der Entwicklung der acsono ag. Wir wollen mit der Unternehmung ein Niveau erreichen, das unserem Anspruch entspricht. Dafür benötigen wir noch etwas Zeit. Gleichzeitig ist es mir wichtig, die Balance zwischen Beruf und Familie zu halten.

Welchen Tipp möchtest du jungen Fachkräften abschliessend mit auf den Weg geben?

Seid proaktiv! Wenn ihr euch weiterbilden wollt, sprecht das offen an. Und wenn euer Chef euch dabei nicht unterstützt – überlegt euch, ob ihr am richtigen Ort seid. Weiterbildung ist aus meiner Sicht der Schlüssel zum Erfolg.

 

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