Vom Handwerk zur Lehrtätigkeit

Bild: Simon Ryser in seinen Räumlichkeiten der Lencom GmbH in Rothenburg

Simon Ryser hat seine Wurzeln im Handwerk. Heute ist er als selbstständiger Berater, Trainer sowie als Dozent tätig – mitunter an der HF Bürgenstock. Im Interview erzählt er von seinem Weg in die Erwachsenenbildung, seiner Motivation zu unterrichten und was für ihn guten Unterricht ausmacht.

Fabian Zemp

Autor/in:
Fabian Zemp

Simon, was ist dein beruflicher Hintergrund?

Gelernt habe ich Polymechaniker, ich komme also aus dem Handwerk. Über die Projektleitung bin ich in die Verkaufsleitung und später in die Betreuung von Grosskunden gekommen. Das war alles vorwiegend in der Metall- und Maschinenbauindustrie. So habe ich mich laufend weiterentwickelt. 

Zur beruflichen Entwicklung gehören auch Weiterbildungen. Welche hast du absolviert? 

Ich habe nach meiner Lehre als Polymechaniker den Techniker HF abgeschlossen, danach ein Nachdiplomstudium in Betriebswirtschaft gemacht und schliesslich ein CAS in Methodik und Didaktik auf Fachhochschulstufe absolviert. Damit habe ich mich auch fürs Unterrichten qualifiziert. Daneben habe ich noch einige Seminare und Kurse besucht. 

Wo stehst du heute beruflich? 

Ich habe zusammen mit meiner Frau ein eigenes kleines Unternehmen. Wir unterstützen andere Firmen in der Organisationsentwicklung. Dabei bieten wir unter anderem auch Kurse an, beispielsweise im Bereich der Kundenkommunikation. Neben den Kursen sind wir hauptsächlich beratend tätig. 

Du hast ein CAS in Methodik und Didaktik absolviert. Was hat dich motiviert zu unterrichten?

Ich glaube, der Wunsch zu unterrichten war schon immer da. 2013 habe ich das Nachdiplomstudium absolviert und dort gab es einzelne Dozierende, mit deren Unterricht ich nicht zufrieden war. Das war der Punkt, an dem mir bewusst wurde: Langweiliger Unterricht liegt nicht am Thema, sondern daran, wie es vermittelt wird. Da dachte ich mir: Was braucht es, damit der Unterricht spannend wird? Was müsste ich tun, damit die Leute am Schluss etwas mitnehmen können? Diese Überlegung war meine Hauptmotivation. 2018 habe ich dann nebenberuflich mit dem Unterrichten begonnen.

Hast du damals bereits an einer Schule unterrichtet oder über euer Unternehmen Kurse angeboten?

Nein, ich war damals noch etwa zu 80 Prozent berufstätig. Ich arbeitete in einer kleineren Firma mit wenig Reisetätigkeit. Das hat es mir ermöglicht, an einer Schule zu unterrichten – dem sfb Bildungszentrum in Emmenbrücke. Ich habe dort selbst das HF-Studium absolviert, kannte die Leute und erhielt so die Möglichkeit einzusteigen.

Du hast erwähnt, spannender Unterricht sei nicht vom Thema abhängig. Glaubst du, dass man jedes Thema spannend vermitteln kann?

Ja, davon bin ich überzeugt. Die Frage ist immer, wie man ein Thema angeht. Die Studierenden können sich die Themen in einem Lehrgang nicht aussuchen. Alles ist vorgegeben. Deshalb ist es die Aufgabe der Lehrperson, selbst weniger interessante Themen so zu gestalten, dass die Teilnehmenden dennoch etwas mitnehmen. Das gelingt nicht immer gleich gut, aber es ist unser Job.

Seit dem Jahr 2023 bist du auch als Dozent auf dem Bürgenstock tätig. Wie bist du auf die Stelle an der HFB aufmerksam geworden?

Über LinkedIn. Sowohl die HFB als auch ich sind auf der Plattform aktiv. So fand der erste Kontakt online statt.

Wie hast du den Einstieg bei deiner ersten Klasse erlebt?

Da ist natürlich immer eine gewisse Anspannung dabei, auch nach sieben Jahren Unterrichtserfahrung. Wenn du in einer neuen Klasse unterrichtest, ist dir die Gruppendynamik noch unbekannt. Gleichzeitig weiss ich aber auch, aus welchem beruflichen Umfeld die Leute kommen und gehe grundsätzlich davon aus, dass die Teilnehmenden motiviert sind. Sie sind da, weil sie etwas lernen wollen. Widerstände spürt man insbesondere dann, wenn ich beispielsweise als neue Lehrperson eine Klasse übernehme, die schon eine andere Bezugsperson hatte. Dann stellt man sich automatisch die Frage: Was will der Neue? Aber das gehört dazu.

Hast du dazu ein konkretes Beispiel für so eine Situation?

Ja, ich habe einmal eine Klasse übernommen, bei der der erste Teil des Fachs von jemand anderem unterrichtet wurde. Dann kommst du rein und merkst: Aha, da gibt es gewisse Vorbehalte. Vielleicht, weil ich Dinge anders mache oder einen frischeren Ansatz habe. Dann spürst du die unterschwellige Skepsis: Was will der jetzt hier? Aber wenn man offen auf die Leute zugeht, funktioniert auch ein solcher Wechsel meistens gut.

Was ist dir beim Unterrichten generell besonders wichtig?

Die Studierenden sollen selbst zum Denken angeregt werden. Es bringt nichts, wenn ich einfach nur erzähle oder aus Büchern zitiere. Die Studierenden müssen sich mit den Themen auseinandersetzen, um Kompetenzen zu entwickeln. Besonders beim Thema Unternehmensführung, welches ich an der HFB unterrichte, geht es oft darum, Entscheidungen zu treffen – und die sind selten eindeutig richtig oder falsch. Dies versuche ich im Unterricht erlebbar zu machen, beispielsweise mit Fallstudien oder mit der Reflexion des eigenen Unternehmens. Wichtig ist mir ausserdem die Begegnung auf Augenhöhe. Wir können alle voneinander lernen. Die Studierenden bringen eigene Erfahrungen mit, ich bringe meine mit. Das macht guten Unterricht aus.

Wie sieht eine typische Unterrichtseinheit bei dir konkret aus?

Es gibt drei Phasen: Zuerst eine Standortbestimmung, um herauszufinden, wo die Teilnehmenden stehen und was sie schon wissen. Dann folgt der thematische Input, beispielsweise mit Modellen und Konzepten. Und schliesslich kommt die Anwendung: Fallstudien, Übertrag ins eigene Unternehmen, Diskussionen. Meine Aufgabe ist es, die richtigen Fragen zu stellen, um die Studierenden zur Auseinandersetzung mit dem Thema zu bringen. Das trägt zu einem engagierten Mitwirken bei.

Wie erlebst du das Klima in der Klasse auf dem Bürgenstock?

Das Klassenklima hängt stets stark mit der Gruppenkonstellation zusammen. Gerade bei den Schreinermeistern merkt man, dass diese eine klare Perspektive haben. Sie wollen einen Betrieb übernehmen oder sich in der Geschäftsleitung engagieren. Das bringt eine klare Grundmotivation mit. Die Lehrgangsteilnehmenden wollen Werkzeuge für ihre Praxis und nicht nur ein Diplom. Das trägt zu einer sehr positiven Dynamik bei.

Inwiefern unterscheidet sich der Unterricht auf dem Bürgenstock von dem an anderen Schulen?

Das Blocksystem ist ein grosser Vorteil. Die Studierenden sind für mehrere Tage oder Wochen auf dem Bürgenstock. So sind sie raus aus dem Alltag, was einen starken Fokus erlaubt. An einer Abendschule ist man ständig im Wechsel zwischen Arbeit und Unterricht. Als Dozent schätze ich zudem, dass während des Unterrichts immer ein Kursleiter da ist, der bei technischen Fragen oder Anliegen der Studierenden unterstützt. Das ist ein grosser Vorteil im Vergleich zu anderen Schulen. Ein weiterer Punkt ist der Standort. Ich schicke meiner Frau jedes Mal ein Foto aus dem Schulzimmerfenster – das sagt eigentlich alles.

An der HFB sind rund 200 Dozierende aus der Praxis tätig. Pflegst du auch einen Austausch mit anderen Dozierenden?

Ja, wenn möglich nutze ich das Angebot der HFB, um auf dem Erlebnis-Bauernhof Untermisli essen zu gehen. Dabei komme ich auch mit anderen Lehrpersonen ins Gespräch. Das ist bereichernd. 
Auch der «Train-the-Trainer»-Anlass ist eine gute Plattform für den Austausch. So entstanden auch schon kleinere Kooperationen abseits des Unterrichtens. 

Welche Botschaft möchtest du abschliessend unseren Studierenden mit auf den Weg geben?

Am Ende des Tages ist es nicht entscheidend, was du machst – entscheidend ist, was du daraus machst. Viele Lehrgangsabsolventen fragen sich nach dem Abschluss: Was nun, wie geht es weiter? Ich sage: Entscheide dich, geh den Weg und mach etwas daraus. Auch im Unternehmertum ist das so. Lieber eine schlechte Entscheidung treffen als keine Entscheidung. Sonst bleibst du stehen. Nur wenn du dich entscheidest, kommst du weiter.

Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Freude beim Unterrichten. 

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