Mit Struktur zum nächsten Wachstumsschritt: Einblick in die Nyffeler Lotzwil AG

Bild: Geschäftsführer Craig von Schulthess und Produktionsleiterin Lisa Rindlisbacher, Nyffeler Lotzwil AG

Wie organisiert sich ein Betrieb neu, um nachhaltig wachsen zu können? Im Interview erklären Geschäftsführer Craig von Schulthess und seine Mitarbeiterin Lisa Rindlisbacher, wie die Einführung einer Produktionsleitung sowie die gezielte Mitarbeiterförderung den Betrieb spürbar verändert haben und die Basis für weiteres Wachstum legen.

Fabian Zemp

Autor/in:
Fabian Zemp

Craig, kannst du dich und deinen Betrieb kurz vorstellen? 

Craig: Mein Name ist Craig von Schulthess, ich bin Inhaber und Geschäftsführer der Nyffeler Lotzwil AG. Unser Unternehmen besteht seit 1909 und hat sich von einer kleinen Dorfschreinerei zu einem spezialisierten Fensterproduzenten entwickelt. Heute beschäftigen wir 17 Mitarbeitende und produzieren zu rund 95 Prozent Holz-, Holzmetall- und Kunststofffenster. Ergänzend fertigen wir jährlich etwa 20 Hauseingangstüren.

Lisa, wer bist du, was ist deine Aufgabe und seit wann bist du im Betrieb?

Lisa: Ich bin gelernte Schreinerin und habe direkt nach der Lehre zur Nyffeler Lotzwil AG gewechselt. In den letzten fünf Jahren habe ich alle Bereiche kennengelernt. Aktuell übernehme ich schrittweise die neu geschaffene Stelle der Produktionsleitung im Betrieb.

Gab es einen konkreten Auslöser für die Schaffung der Produktionsleitungsstelle?

Craig: Ich bin lange davon ausgegangen, dass ein Team aus ausgebildeten Fachleuten vieles selbst organisieren kann. Das funktioniert im Alltag auch gut. In kritischen Situationen fehlt aber oft eine klare Entscheidungsinstanz. Dann braucht es jemanden, der Verantwortung übernimmt und sagt: «So machen wir es jetzt.» Auch wenn nicht jeder Entscheid perfekt ist: Ein Entscheid bringt das Team weiter, kein Entscheid führt zu Stillstand. 

In der Vergangenheit lief deshalb sehr viel über mich. Es entstand eine Art One-Man-Show, und die hat klare Grenzen. Wenn man sich als Betrieb weiterentwickeln will, muss man zuerst die personellen Voraussetzungen schaffen. Lisa hat wie erwähnt bereits alle Bereiche bei uns kennengelernt und ist im Team sehr gut integriert. Zudem bringt sie die Fähigkeit mit, Dinge klar anzusprechen. Für mich sind das ideale Voraussetzungen für eine Produktionsleiterin.


Bild: Lisa Rindlisbacher ist seit Kurzem Produktionsleiterin bei der Nyffeler Lotzwil AG.

Wie habt ihr die Rolle der Produktionsleitung konkret definiert?

Craig: Uns war wichtig, dass die Funktion nicht rein administrativ im Büro ist. Lisa arbeitet als Produktionsleiterin weiterhin aktiv in der Produktion mit, übernimmt aber zusätzliche Verantwortung und dient als zentrale Ansprechperson für ihre Teamkollegen. Damit schaffen wir eine klare Struktur und Organisation, die es uns ermöglicht, die Produktionskapazität in Zukunft gezielt auszubauen.

Du Lisa absolvierst aktuell den Zertifikatslehrgang zur «Fachfrau Fenster». Hängt der Entscheid dafür mit deiner neuen Rolle zusammen? 

Lisa: Exakt. Als sich abgezeichnet hat, dass ich die Produktionsleitung übernehmen kann, hat Craig mir diese Weiterbildung empfohlen. Für mich war das naheliegend, weil ich mir für diese Position gezielt fensterspezifisches Fachwissen aneignen wollte, das in der Lehre nicht in dieser Tiefe vermittelt wurde.

Warum habt ihr euch für genau diese Weiterbildung entschieden?

Craig: Da wir zu rund 95 Prozent Fenster produzieren, passte die branchenspezifische Ausrichtung dieser Fortbildung optimal. Die Weiterbildung ist zudem modular aufgebaut. Die Grundkurse vermitteln ein solides fachliches Fundament, während die weiterführenden Module an der HF Bürgenstock übergeordnete Themen wie Kommunikation und Organisation abdecken.

War eine Weiterbildung zur Produktionsleiterin mit eidg. Fachausweis ebenfalls ein Thema?

Lisa: Nein. Für mich war diese zeitlich kompakte Weiterbildung, die wie erwähnt auf die Fensterbranche ausgerichtet ist, passender. Ich arbeite lieber im Betrieb, als längere Zeit in der Schule zu verbringen.

Craig: Perspektivisch kann es jedoch gut sein, dass weitere Kurse folgen, insbesondere in Richtung der Prozessoptimierung.

Wie seid ihr auf das Angebot aufmerksam geworden?

Craig: Ich habe mich auf der Website des FFF über Weiterbildungsangebote informiert. Dabei bin ich auf die neu geschaffenen Lehrgänge «Projektleiter:in Fenster» und «Fachmann/-frau Fenster» gestossen. 

Lisa, mit welchen Erwartungen bist du in die Weiterbildung gestartet?

Lisa: Ich wollte mein Fachwissen rund ums Fenster vertiefen und insbesondere lernen, wie ich mit Mitarbeitenden besser kommunizieren kann.

Gab es konkrete betriebliche Herausforderungen, die du angehen wolltest?

Lisa: Ja, vor allem im Bereich der Kommunikation. Der Umgangston ist bei uns teilweise direkt, und ich wollte lernen, wie man in solchen Situationen konstruktiv reagiert. Zudem ging es mir darum, die Fensterfertigung effizienter und präziser zu gestalten.

Craig: Ein weiterer Punkt sind Zielvorgaben. In einer Weiterbildung erhält man durch den Austausch mit Dozierenden, aber auch anderen Studierenden ein Gefühl für realistische Richtzeiten einzelner Arbeitsschritte. Das hilft, Prozesse im eigenen Betrieb besser einzuordnen und gezielt zu optimieren.

Wie bist du insgesamt in die Weiterbildung gestartet?

Lisa: Sehr gut. Der Einstieg war intensiv, aber sehr lehrreich. In der letzten Unterrichtseinheit behandelten wir das Thema Kommunikation, wovon ich viel direkt in den Alltag übertragen konnte. Dazu ein Beispiel: Ein Mitarbeiter machte wiederholt Fehler beim Beschlagen. Statt ihn direkt zu kritisieren, habe ich die Situation nun gemeinsam mit ihm analysiert und ihm ein unterstützendes Feedback gegeben.

Dein letztes Modul absolvierst du an der HF Bürgenstock. Wie hast du den Kursort Bürgenstock erlebt?

Lisa: Positiv. Die Umgebung rund um den Bürgenstock ist sehr schön. Zudem klappte auch die Anreise mit dem öffentlichen Verkehr gut. 

Die Veränderungen waren bereits nach kurzer Zeit spürbar.

Craig, welche Veränderungen stellst du im Betrieb fest?

Craig: Die Veränderungen waren bereits nach kurzer Zeit spürbar. Mit der Übernahme der Produktionsleitung durch Lisa und der Umsetzung des Gelernten kam mehr Struktur in den Betrieb. Früher kam es vor, dass Termine nicht eingehalten werden konnten. Heute sind wir in der Lage, unsere Kundschaft proaktiv zu informieren, wenn Aufträge früher fertig sind.

Was hat sich darüber hinaus verändert?

Craig: Es ist deutlich mehr Ruhe in den Betrieb gekommen. Die Mitarbeitenden arbeiten konzentrierter und zielgerichteter. Gleichzeitig hat sich die Zusammenarbeit zwischen Büro und Produktion verbessert.

Lisa: Früher wurden viele Fragen direkt im Büro geklärt. Heute kommen Mitarbeitende bei Unklarheiten in der Produktion zuerst zu mir. Das entlastet die Kollegen im Büro und sorgt für klarere Abläufe.

Und wie beurteilst du die Entwicklung bei der Qualität, Craig?

Craig: Ein wichtiger Fortschritt ist die gestiegene Ordnung im Betrieb. Aktuell arbeiten wir daran, unsere Prozessstabilität weiter zu erhöhen, sowohl in Bezug auf Tempo als auch auf Qualität.


Bild: Das «Organisation / Kommunikation Fenster-Modul» findet an der HF Bürgenstock statt.

Wie beurteilt ihr die Weiterbildung «Fachmann/-frau Fenster» insgesamt?

Lisa: Ich beurteile den Kurs sehr positiv. Die Weiterbildung eignet sich für alle, die sich im Fensterbereich spezialisieren und gleichzeitig ihre Fähigkeiten im Bereich Kommunikation und Organisation stärken möchten.

Craig: Ich kann das bestätigen. Die Weiterbildung ist praxisnah und verbindet fachliche Inhalte mit übergeordneten Themen. Genau diese Kombination war für unseren Bedarf passend. 

Wo steht euer Betrieb in zwei bis drei Jahren?

Lisa: Wir wollen unsere Prozesse weiter optimieren, um effizienter zu produzieren und unsere Preise attraktiv zu halten. Gleichzeitig möchten wir die Auslastung noch besser steuern.

Craig: Ich stimme Lisa zu. Wir arbeiten aktuell an einem stabilen Prozessfundament und wollen darauf Schritt für Schritt aufbauen. Ein zentrales Thema ist die Reduktion von unnötigen Arbeitsschritten. In der Spritzerei wird beispielsweise ein Fensterflügel heute noch rund ein Dutzend Mal bewegt. Mit modernen Lösungen lässt sich das im Optimalfall auf zweimal reduzieren. Optimierungen wie diese treiben wir gezielt voran.

Was möchtet ihr anderen fensterproduzierenden Betrieben in Bezug auf Weiterbildung mitgeben?

Lisa: Die Schreinerlehre ist thematisch sehr breit. Wer sich fensterspezifisch spezialisieren will, findet mit dieser Weiterbildung eine gute Möglichkeit, sich gezielt im Fensterbereich zu vertiefen.

Craig: Und darüber hinaus übergeordnete Kompetenzen zu erlangen.

Herzlichen Dank für das spannende Gespräch und viel Erfolg für die nächsten Entwicklungsschritte. 

 

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