Lehrgangsentwicklung: Weiterbildung mit Weitblick

Markus Hobi, Geschäftsführer, Schweizerischer Fachverband Fenster- und Fassadenbranche

Der Fachkräftemangel in der Fensterbranche ist akut. Der Fachverband FFF hat reagiert und gemeinsam mit der HF Bürgenstock zwei neue Lehrgänge entwickelt. Geschäftsführer Markus Hobi spricht über die Entstehung, die Zusammenarbeit und seine Empfehlungen an andere Verbände.

Fabian Zemp

Autor/in:
Fabian Zemp

Was war der Grund, dass der FFF fensterspezifische Weiterbildungsangebote entwickelt hat?

Der Fachkräftemangel ist eine grosse Herausforderung für die Fensterbranche. Wir sprechen viel mit Fensterbauern, unseren Mitgliedern, Branchenpartnern und Zulieferern. Dabei hören wir oft, was im Markt gefragt ist. In jedem zweiten Gespräch kommt die Frage: «Kennst du nicht noch einen verfügbaren Projektleiter für unser Team?» Daraus ist die Idee entstanden, dass wir als Verband etwas unternehmen sollten, da es bisher keine fensterspezifische Projektleiterausbildung gab.

Wie bist du auf die HF Bürgenstock als Partnerin für dieses Vorhaben aufmerksam geworden? Andere Anbieter entwickeln ebenfalls Lehrgänge für Fachverbände.

Ich habe tatsächlich mit mehreren Anbietern gesprochen. Aber ich kann mich noch gut erinnern: Das erste Meeting als neuer Geschäftsführer führte mich per Zug und Postauto zum Bürgenstock und mit der Standseilbahn sowie dem Schiff zurück nach Luzern. Das war eine eindrückliche Reise und darum ist es dann der Bürgenstock geworden. (lacht) Nein, das stimmt natürlich nicht ganz.

Mich hat beeindruckt, dass ihr mit Dozierenden aus der Praxis zusammenarbeitet und diese eng begleitet.

Der wahre Grund ist, dass ich schnell gemerkt habe, wie professionell ihr arbeitet. Mich hat beeindruckt, dass ihr mit Dozierenden aus der Praxis zusammenarbeitet und diese eng begleitet. Das machen andere Bildungseinrichtungen nicht in dieser Intensität. Für mich war dies der ausschlaggebende Grund, warum wir uns für den Bürgenstock entschieden haben. Ferner ist das Umfeld rund um den Bürgenstock schön. Wenn man dort oben einen Kurs besucht, stimmt einfach alles. Die Aussicht und die Atmosphäre helfen aus dem Alltag rauszukommen. Und es gibt eine Nähe zwischen uns und dem Bürgenstock, da wir als FFF eine Fachgruppe des VSSM sind. Bestehende Verbindungen zu nutzen, macht Sinn.

Wie sieht der Prozess aus, wenn man als Verband einen solchen Lehrgang entwickelt?

Zuerst braucht es eine Vision. In unserem Fall war das der Wunsch nach einer fensterspezifischen Projektleiterausbildung, um Fachkräften aus der Branche eine gezielte Weiterentwicklung zu ermöglichen.
Dann musst du dir genau überlegen, welche Inhalte du den Teilnehmenden vermitteln willst. Bei uns ging es nicht nur um das fensterspezifische Fachwissen, sondern auch um zusätzliche Kompetenzen, die beispielsweise in der Projektleitung gefragt sind. Die Fachkräfte der Branche bringen in der Regel viel praktische Erfahrung mit Fenstern mit, aber die Projektleitung verlangt eben noch andere Fähigkeiten. Genau dieser Kompetenzrahmen musste konkret definiert werden.

Inwiefern hast du die Branche in den Prozess einbezogen?

Wir haben die Branche früh und stark in den Prozess eingebunden. Gemeinsam mit der HF Bürgenstock haben wir eine Umfrage bei den Mitgliedern durchgeführt, um deren Bedürfnisse zu erfassen. Dabei haben wir zahlreiche wertvolle Rückmeldungen erhalten. Zusätzlich haben wir mehrere Arbeitsgruppensitzungen durchgeführt, an denen Fensterbauer teilnahmen. Diese kennen die Anforderungen aus der Praxis genau. So konnten wir die gewünschten Inhalte gezielt abgleichen, diskutieren und konkret definieren.

Wie hast du die Zusammenarbeit mit der HFB erlebt?

Das war wohl das Erfreulichste an der ganzen Sache. Ich habe selten ein so ruhiges Projekt erlebt, bei dem man fast nichts tun musste – und das Ergebnis trotzdem top war. Das Team rund um Michael Gnos wusste genau, was zu tun ist und es lief alles sehr effizient ab.

Im April 2025 stand die GV des FFF auf dem Programm. Dabei wurden die neuen Weiterbildungsangebote vorgestellt. Wie reagierte die Branche darauf?

Die Resonanz unmittelbar nach der GV war schwierig abzuschätzen, da viele andere Themen im Fokus standen. Aber in den Gesprächen mit den Mitgliedern spüre ich, dass die Initiative gut ankommt. Die Branche schätzt, dass wir aktiv etwas unternehmen.

Der erste Lehrgang startet erst noch. Worauf freust du dich am meisten?

Ich freue mich auf (hoffentlich) viele Anmeldungen, damit das Angebot noch bekannter wird. Zudem bin ich gespannt, einmal selbst einen Blick in den Unterricht zu werfen und zu erleben, wie Fachpersonen aus der Praxis ihre neue Rolle als Dozierende meistern.

Ich kann die Entwicklung eines branchenspezifischen Weiterbildungsangebots in Zusammenarbeit mit der HF Bürgenstock empfehlen. Viele befürchten, dass die Entwicklung einer Weiterbildung viel Zeit und Ressourcen bindet. Mit dem richtigen Partner ist das kein Problem. Wir konnten unsere Lehrgangsentwicklung mit minimalem Aufwand realisieren – und die Qualität stimmt trotzdem. Genau das macht den Unterschied.

Andere Verbände stehen vor ähnlichen Herausforderungen. Was ratest du ihnen?

Sie sollen einen kompetenten Partner wählen und diesem den nötigen Freiraum geben. Ich empfehle, nicht alles zu kontrollieren, sondern klare Rahmenbedingungen zu setzen und dann dem Bildungsinstitut zu vertrauen. Diese wissen, was sie tun und machen das meist besser, als wenn man sich zu stark einmischt.

Mit den neuen Lehrgängen wollt ihr dem Fachkräftemangel entschlossen entgegenwirken. Welche weiteren Herausforderungen packst du mit dem FFF sonst noch an?

Wenn wir Leute aus der Branche zu Projektleitern weiterentwickeln, fehlen die Fachkräfte an einem anderen Ort. Deshalb arbeiten wir mit dem VSSM daran, die schreinerspezifische Grundbildung im Rahmen der Bildungsreform attraktiver zu gestalten. Darüber hinaus wollen wir die Fensterbranche beim Nachwuchs noch besser sichtbar machen. Abgesehen vom Thema Bildung werden wir in naher Zukunft Aktivitäten rund um Themen wie Nachverfolgbarkeit, Recycling und CO₂-Reduktion koordiniert anpacken.

Danke dir für das Gespräch und viel Erfolg für die Umsetzung der weiteren Projekte. 

 

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