Holztechniker:in HF: Warum sich immer mehr Schreinerinnen und Schreiner für diesen Weg entscheiden

Viele Schreinerinnen und Schreiner wenden sich mit einer ähnlichen Ausgangsfrage an uns: Wie soll der nächste Karriereschritt aussehen? Oder konkret: Welcher Lehrgang mit eidg. Abschluss ist für mich als Schreiner oder Schreinerin der richtige?

Fabian Zemp

Autor/in:
Fabian Zemp

Gerade junge Fachkräfte mit einigen Jahren Berufserfahrung stellen sich diese Frage ganz besonders. Sie haben ihre handwerkliche Basis gefestigt und übernehmen vielleicht bereits erste Verantwortung. Gleichzeitig aber spüren sie, dass sie sich fachlich und persönlich weiterentwickeln möchten. Die Auswahl an eidg. Lehrgängen in der Schreinerbranche ist vielfältig. Doch welche Weiterbildung ist nun die richtige für dich? Schauen wir uns zu Beginn die Ausgangslage im Detail an. 

Ausgangslage

Seit der Reform der höheren Berufsbildung im Jahr 2025 verfügen die schreinerspezifischen Berufsprüfungen über geschärfte Profile. Die Projektleiter-Weiterbildung fokussiert sich noch stärker auf Planung, Kalkulation, Kundenberatung und Projektumsetzung. Der Produktionsleiterlehrgang zielt klar in Richtung Verantwortung für Produktion, Prozesse, Ressourcen und Führung im Werkstattbereich. Beide Wege sind somit konsequent auf eine bestimmte Funktion ausgerichtet.

Der Holztechniker verfolgt hingegen einen für HF-Lehrgänge typischen generalistischen Ansatz. Während der berufsbegleitenden Ausbildung erwerben die Teilnehmenden Kompetenzen in Planung, AVOR, Projektleitung, Produktion, Prozessmanagement sowie in gewerkeübergreifender Holztechnik und Bauprozessen.

Ergänzend dazu besteht mit dem Lehrgang zum Schreinermeister eine weitere Weiterbildungsoption. Diese baut inhaltlich auf den Berufsprüfungen (Projekt- oder Produktionsleiter:in Schreinerei) auf und richtet sich grundsätzlich an Fachkräfte, die eine eigene Schreinerei führen oder eine unternehmerische Gesamtverantwortung übernehmen möchten. 

Somit ergeben sich für Interessierte drei Optionen:
•    Die Berufsprüfungen sorgen für fachliche Spezialisierung (in Projekt- oder Produktionsleitung)
•    Der Schreinermeister-Kurs zielt in Richtung Unternehmensführung
•    Der HF-Lehrgang sorgt für eine generalistische Ausbildung mit vielfältiger Perspektive

Unsere Erfahrung aus Beratungsgesprächen zeigt: Wie die Entscheidung letztlich ausfällt, hängt stark davon ab, wie klar die eigene berufliche Zielrichtung bereits definiert ist oder wie der Arbeitgeberbetrieb ausgerichtet ist. Dazu stellen wir fest, dass die Nachfrage nach dem HF-Lehrgang aktuell klar steigt. In diesem Artikel sind wir diesem Phänomen auf die Spur gegangen. Dabei basieren die Angaben, beziehungsweise die genannten Vorteile des Holztechniker-Lehrgangs auf Feedback von Teilnehmenden – beispielsweise aus Beratungsgesprächen.  

Vorteil Nr. 1: Die berufliche Entwicklung noch offenlassen

Ein häufiges Thema in Beratungsgesprächen ist die Frage nach der langfristigen Perspektive. Nicht alle Schreinerinnen und Schreiner wissen bereits mit 20 oder 25 Jahren, in welcher Funktion sie in ein paar Jahren tätig sein möchten.

Gerade für jüngere Fachkräfte, die zu Beginn ihrer Laufbahn stehen, kann es anspruchsvoll sein, sich frühzeitig klar auf eine einzige Funktion festzulegen. Die Schreinerbranche ist geprägt von Entwicklungen: Technologie verändert sich, Betriebe wachsen, Strukturen wandeln sich, neue Geschäftsfelder entstehen. Wer heute in der Planung tätig ist, kann morgen eine kombinierte Funktion mit Produktionsverantwortung übernehmen oder stärker in Umbau- und Bauleitungsaufgaben hineinwachsen. 

Die Weiterbildung zum/zur Holztechniker:in HF ermöglicht es, solche Entwicklungen bewusst offenzuhalten. Das breite Kompetenzprofil schafft Flexibilität für die Zukunft und reduziert die Notwendigkeit, sich frühzeitig auf eine einzelne Fachrichtung festzulegen.

Die im ersten Vorteil angetönte Breite der Weiterbildung öffnet nicht nur die Türen für verschiedene Karrierewege. Sie hat noch weitere Vorteile.

Vorteil Nr. 2: Ganzheitliche Kompetenzen entlang von Planung, Produktion und Bauleitung

Holztechniker:innen verbinden Planung und Produktion nicht nur nebeneinander, sondern erlangen ein Verständnis für deren Zusammenspiel. Ergänzt werden diese Themen durch Kompetenzen in Führung, Kommunikation sowie gewerkeübergreifender Zusammenarbeit und Bauleitung. Gerade bei komplexeren Projekten mit mehreren Beteiligten ist diese vernetzte Sichtweise von grossem Nutzen. Damit eignet sich der Lehrgang auch für Fachkräfte, die Projekte ganzheitlich betrachten und leiten möchten. 

Betrachten wir in einem nächsten Schritt die betriebliche Perspektive.

Vorteil Nr. 3: Hoher Mehrwert für kleinere und mittlere Betriebe

In kleineren Schreinereien übernehmen Führungspersonen oft mehrere Rollen gleichzeitig. Planung, Koordination, Produktionsverantwortung und teilweise Bauleitung lassen sich nicht immer klar voneinander trennen. Genau deshalb hat die HF Bürgenstock bis im Jahr 2025 die Projektleiter- und Produktionsleiter-Lehrgänge kombiniert angeboten. Teilnehmende im Projektleiter-Lehrgang profitierten von Produktionsleiterwissen und umgekehrt. Seit der Reform der höheren Berufsbildung ist dies aufgrund der geschärften Profile aus strukturellen Gründen jedoch nicht mehr möglich.

Die Inhalte des Lehrgangs Holztechniker:in HF bleiben jedoch – HF-typisch – weiterhin genauso breit aufgestellt wie bisher. Sein Rahmenlehrplan, der im Jahr 2022 aktualisiert wurde, beinhaltet Themen im Bereich Planung und Projektleitung genauso wie Produktion und Prozesse. Für kleinere Betriebe ist dies ein entscheidender Vorteil: Sie fördern einen Mitarbeitenden nicht nur in einem Fachgebiet, sondern ganzheitlich. Dies ermöglicht einen flexiblen Einsatz im Unternehmen – heute vielleicht stärker in der Planung, morgen mit zusätzlicher Verantwortung in der Produktion oder Projektkoordination.

Vorteil Nr. 4: Attraktiv für Mischbetriebe (Schreinerei/Holzbau) und Unternehmen im Umbau-Bereich

Immer mehr Betriebe kombinieren klassische Schreinerarbeiten mit Elementen des Holzbaus oder setzen regelmässig Umbauprojekte um. In solchen Konstellationen sind Schnittstellenkompetenzen entscheidend. Im Lehrgang Holztechniker:in HF der HF Bürgenstock werden Teilnehmende dazu befähigt, gewerkeübergreifende Abläufe zu verstehen, Bauprojekte zu leiten und mit Anspruchsgruppen verschiedener Gewerke professionell zu kommunizieren. Für Mischbetriebe oder Schreinereien im Umbau-Bereich stellt dies einen klaren Mehrwert dar, da Holztechniker:innen Projekte über mehrere Ebenen hinweg begleiten können.

Vorteil Nr. 5: Kompakte Struktur mit eidgenössischem HF-Diplom

Neben den inhaltlichen Argumenten spielt auch die Ausbildungsstruktur eine Rolle. Der Holztechniker-Lehrgang dauert (exkl. Diplomprüfung / Diplomarbeit) rund drei Jahre und ist berufsbegleitend organisiert. Innerhalb dieses Zeitrahmens erwerben die Teilnehmenden einen HF-Abschluss, der eidgenössisch anerkannt ist. Zum Vergleich: Die Vorbereitungskurse auf die spezialisierten Berufsprüfungen Projektleiter:in Schreinerei oder Produktionsleiter:in Schreinerei dauern jeweils rund zwei Jahre – zuzüglich des externen Qualifikationsverfahrens. Viele Interessierte empfinden den berufsbegleitenden HF-Lehrgang über drei Jahre deshalb als verhältnismässig kompakt, insbesondere unter Berücksichtigung der Breite der vermittelten Kompetenzen sowie des in der Branche anerkannten HF-Diploms. 

Vorteil Nr. 6: Qualifikationsverfahren inhouse

Der letzte Vorteil ist ein auf den ersten Blick nicht ganz offensichtlicher. Das Qualifikationsverfahren (z.B. die Diplomprüfung) wird beim Holztechniker HF durch die HF Bürgenstock inhouse durchgeführt. Die Prüfungsleistungen finden somit in einer vertrauten Umgebung statt, begleitet von Kursleitenden, die den Ausbildungsweg über mehrere Jahre mitgestaltet haben. Für viele Teilnehmende schafft dies zusätzliche Sicherheit. Das Schreiben einer Prüfung in einem grossen, fremden Saal, umgeben von Dutzenden Studierenden anderer Schulen, entfällt somit.

Zusammenfassung: Für wen eignet sich welcher Weg?

Die branchenspezifischen Berufsprüfungen Projektleiter:in Schreinerei und Produktionsleiter:in Schreinerei sind zweifelsohne wertvolle Weiterbildungen, die an der HF Bürgenstock gerne von Fachkräften mit klar definiertem Ziel in Richtung Projekt- oder Produktionsleitung absolviert werden. Gleiches gilt für den Schreinermeister, der für Schreinerinnen und Schreiner attraktiv ist, die unternehmerische Verantwortung übernehmen oder eine eigene Schreinerei führen wollen. 

Der Lehrgang «Holztechniker:in HF» hat ein breiteres Publikum, was sich auch in der aktuell erhöhten Nachfrage widerspiegelt. Er richtet sich an Personen, die…

  • ihre berufliche Entwicklung bewusst noch etwas offenhalten möchten.
  • sich vorstellen können, als Projekt- oder Produktionsleiter:in zu arbeiten. 
  • Planung, Produktion und Bauprozesse vernetzt verstehen wollen.
  • in kleineren oder vielseitig ausgerichteten Betrieben (Schreinerei/Holzbau) tätig sind.
  • oder einfach eine breit abgestützte Weiterbildung auf HF-Stufe anstreben, um den nächsten Karriereschritt zu schaffen.


Das hohe Interesse am Lehrgang Holztechniker:in HF zeigt, dass immer mehr Fachkräfte genau diese Kombination aus thematischer Breite und überschaubarer Weiterbildungsdauer schätzen. Wenn du dich aktuell mit deiner nächsten beruflichen Etappe beschäftigst, lohnt es sich also, neben Projekt- oder Produktionsleiter:in Schreinerei und Schreinermeister:in auch diese Weiterbildung im Detail zu prüfen. 

Informiere dich jetzt, lass dich beraten und wähle letztlich die Weiterbildung, die für dich perfekt passt. 

 

Unser Kursangebot zum Thema

Dipl. Holztechniker:in HF Schreinerei / Innenausbau

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